www.hoertipps.de >> Einzelhörspiele >> Tom Sawyer & Huckleberry Finn
Inhalt:
Tom Sawyer hat es faustdick hinter den Ohren! Tante Polly jedenfalls hat ihre liebe Not mit ihrem vorwitzigen Neffen. Und sein Freund Huck Finn ist der Sohn des Dorftrunkenbolds, der gemeinsam mit dem Sklaven Jim auf dem Floß den Mississippi hinunterflüchtet. Eine abenteuerliche Reise in die Welt der Scharlatane und Schatzsucher, rauen Sittten und feinen Zwischentöne!
Story:
Anlässlich des 100. Todestages des posthum noch weltberühmten amerikanischen Autors Mark Twain veröffentlicht "Der Hörverlag" nach der Neuübersetzung von Andreas Nohl ein 5 CD umfassendes Hörspiel um die beiden Geschichten über Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die allerdings aufeinander aufbauen, sodass die Aneinanderreihung der beiden unterschiedlichen Einzelhörspiele zu einem Gesamtpaket durchaus sinnvoll ist. Es zeigt sich im Werk eine klare zweigleisige Struktur, zum einen die Unterhaltung des Zuhörers durch die doch sehr freche Art von Huckleberry Finn und Tom Sawyer, denen Streiche keinerlei schlechtes Gewissen bereiten, sodass auch die Rettung von Nigger Jim ihnen mehr als ein Abenteuer erscheint als die Rettung eines Sklaven aus seiner Gefangenschaft. Gleichzeitig ist Mark Twains Roman aber auch eine Kritik an der Gesellschaft, die scheinbar unbelehrbar gegen Anfang des 20. Jahrhunderts und noch lange Jahre später Sklavenhandel betrieb und diesen großflächig akzeptierte. Trotz dieser ernsten Thematik besitzt das Werk aber auch die nötige Lockerheit, für einen jeden Kunden ein teils witziges, teils ernstes, aber im Wesentlichen sehr sympathisches Hörspiel für die Kunden zu sein. Das Deutschlandradio Kultur beweist in Kooperation mit dem Saarländischen Rundfunk wieder die Kunst, aus Literaturklassikern auch dementsprechend ansprechende Audioproduktionen zu schaffen.
Sprecher:
Adäquat zur sehr guten Handlung beweisen die Produzenten auch ein glückliches Händchen bei den Sprechern. Mit Kostja Ullmann, Patrick Güldenberg und Bernhard Schütz haben sie für die Rollen von Tom Sawyer, Huckleberry Finn und Nigger Jim Besetzungen gefunden, die sehr genau passen und ein authentisches Bild abgeben. Güldenberg und Ullmann zeigen eine eher provokant freche Seite, die in der Gesellschaft für Unruhe sorgt, Schütz kann die Rolle des mit Absicht auf hin- und hergerissen agierenden Niggers Jim auf beeindruckende Art und Weise spielen. In den einzelnen Szenen können sich weitere Sprecher ins Rampenlicht der Produktion rücken, beispielsweise sei auch Ulrich Noethen erwähnt, der immer wieder als Mark Twain erzählend in die Geschichte eingreift und wichtige Handlungskomponenten übernimmt. Seine Verpflichtung hat sich ebenso gelohnt wie die von Matthias Walter (Muff Potter) und Tonio Arango (Dr. Robinson), die ich stellvertretend für eine große Anzahl an überragenden Nebensprechern nennen möchte, zu denen auch Friedhelm Ptok, Reiner Schöne, Max von Pufendorf und viele weitere Synchronsprecher von beachtlicher Qualität gehören.
Musik und Effekte:
Ein besonderes Augenmerk gebührt der Untermalung, die dem Hörspiel zugrunde liegt. The Ambrosius Stompers, hinter denen sich die Musiker Daniel Cordes, Jakob Diehl, Jan Budweis und Jo Ambros verbergen, sorgen für ein sehr lebendiges musikalisches Bild, das vor Fröhlichkeit strotzt. Doch nicht etwa Gitarren und Schlagzeuge sind ihre Instrumente - nein, Banjo und Mundharmonika sorgen für den nötigen Klang, der neben dem historischen Aspekt des Hörspiels auch auf wundersame Art und Weise den Hörer fasziniert. Die Melodien wirken harmonisch komponiert, die Geschichte wird äußerst kurzweilig und stimmungsvoll untermalt. Ein Volltreffer gelingt dem Produzententeam auch hinsichtlich der Effekte. Kleinstes Rascheln wird beachtet und so eine Detailliertheit geschaffen, die mich dazu verleitet, von einem liebvoll gestalteten Hörspiel zu sprechen, denn es wirkt in jeder Szene so, als hätte sich Hörspielbearbeiter Alexander Schuhmacher genauestens mit der Vorlage auseinandergesetzt. Eine ganz starke inszenierende Riege, die Mark Twains Romanklassiker in ein herrlich-heiteres Bild rückt.
Fazit:
"Tom Sawyer & Huckleberry Finn" ist eines der belebendsten Hörspiele, die es zurzeit auf dem breiten Hörspielmarkt gibt. Mit dynamisch agierenden und aufs Höchste motivierten Sprechern lässt sich während der gesamten Spielzeit von knappp 6 Stunden eine Lebensfreude erkennen, die in dieser Form seinesgleichen sucht und auf einer wunderbaren Übersetzung von Andreas Nohl fußt. Eine rundum gelungene Produktion mit hervorragender Musik und tollen Effekten - in seiner ganzen Art schlichtweg liebevoll und überzeugend für junge und alte Hörer.
Note 1
Mark Twain - Tom Sawyer & Huckleberry Finn



