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George Orwell - Farm der Tiere


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Der alte, preisgekrönte Eber Old Major hat eine Vision. Als Farmer Jones vergisst, die Stalltür abzuschließen, kommen die Tiere der "Herrenfarm" zusammen und lauschen gebannt Old Majors Worten von der Revolution, der Lehre des "Animalismus" und dem Lied "Tiere von England". Bald ist es soweit: Die Tiere übernehmen die Macht, allen voran die Schweine Schneeball und Napoleon ... George Orwell schrieb mit "Animal Farm" ("Farm der Tiere") eine der großen Satiren der Weltliteratur. Sie gilt heute als das Lehrstück jedweden Totalitarismus. Auch das Hörspiel mit Bernhard Minetti und Otto Sander versteht sich als Appell zu mehr Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung.

Story: Anlässlich des 100. Geburtstages des Literaturautors George Orwell nimmt sich der Audio Verlag erneut der wohl bekanntesten englischen Lektüre überhaupt an und vertont die "Farm der Tiere" neu. Zumindest anscheinlich ist dies eine Neuvertonung, vielmehr ist es allerdings die Neuauflage der im Jahre 1981 entstandenen Produktion unter der Regie von Manfred Marchfelder, was bereits die erste Enttäuschung an dieser Produktion ist. Der Stoff an sich ist schon legendär und selbst, wenn man ihn nicht kennt, wird man keine Probleme haben, schnell die Meinung Orwells verstehen und aufgreifen zu können. Was mir missfällt ist die zu blass bleibende Charakterzeichnung Napoleons, der beispeilsweise im gleichnamigen Disneyfilm deutlich düsterer dargestellt wird und damit der Umsetzung deutlich mehr Schärfe einblößt. Allgemein bleiben die Rollen zu blass, was auch an der Sprecherleistung liegt, aber für mich wurde der Stoff nur ausreichend gut umgesetzt, dort wäre in der Bearbeitung von Jürgen Liebing viel mehr Potential auszuschöpfen gewesen. Schließlich hat man es hier mit der bekanntesten Politsatire der letzten Jahrzehnte zu tun, die doch sehr deutlich auf spezifische Personen der Geschichte anspielt und weniger als Kinderhörspiel anzusehen ist.

Sprecher: Größtes Manko bei der Umsetzung bleiben die Sprecher, die gelangweilt wirken und dem Zuhörer das Gefühl geben, kurz vor dem Einschlafen zu sein. Vorallem die Stimmen der Schweine, allen voran Klaus Herm als "Schneeball" (im Original "Snowball") und Helmut Wildt in der Rolle des "Napoleon", die nach dem Sturz der Menschen auf der "Animal Farm" Anführer des Reiches sind, hätten doch deutlich mehr Stimmkraft vertragen können, um so ihre ungemeine Macht zum Ausdruck bringen zu können. Klar, man kann argumentieren, dass die Tiere der Farm jahrelang unterdrückt gewesen waren und dadurch unter Leidem stehen, doch nach Machtgewinn hätten die Stimmen doch deutlich anders geklungen und so bleibt die Leistung der Sprecherriege unauffällig und meiner Ansicht nach diesem Stoff unwürdig. Für die Umsetzung engagiert wurden ebenfalls ganze 3 Erzähler, nämlich Harry Wüstenhagen, Otto Sander und Lothar Blumhagen, die zwar allesamt für hohe Qualität stehen und ihre Klasse in vielen Funk- und Fernsehen-Produktionen nachweisen konnten, aber hier für viel Verwirrung sorgen. Ein Sprecher, der zwar im Hintergrund bleibt, aber trotzdem den Hörer prägt, hätte hier gelangt, besonders bei dieser Top-Besetzung der weiteren Rollen mit Bernhard Minetti, Mogens von Gadow, Klaus Jepsen, Holger Kepich, Sibylle Gilles, Otto Czarski, Monika Hansen, Wolfgang Condrus sowie Martin Hirthe - eine Sammlung großer Sprecher, deren große Möglichkeiten allerdings nicht genutzt werden konnten.

Musik und Effekte: Für die technische Untermalung zeigt sich Friedrich Scholz hauptverantwortlich und er rettet das Hörspiel in annehmbare Sphären. Nötig sind pompöse Musiken, die im späteren Verlauf des Hörspiels vonseiten der Menschen zur Seite der an Macht und Einfluss gewinnenden Tiere wandern und dadurch einen positiven Effekt in Spannungshinsicht bewirken. Die Musiken und Effekte zumindest sind gelungen und damit unterstreichen zumindest sie die Absichten George Orwells.

Fazit: Leider muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht von der hier vorliegenden Umsetzung der Parabel George Orwells war. Die Sprecher wirken lustlos am Werk und so vergeht die Freude beim Zuhören, die eigentlich zum Nachdenken anregen soll. So möchte man viel eher mehr Emotionen bei den Akteuren hervorrufen und wird sich durch den Stoff quälen, statt seine tiefsinnigen Aussagen zu hinterfragen und über die Absichten des Autors philosophieren zu können. Unter dem Strich eine nur ausreichende CD mit guten Ansätzen in Sachen Technik, die von einer eher schwachen Buchadaption geprägt ist.

Note 4+