www.hoertipps.de >> Einzelhörspiele >> Verdammnis
Inhalt:
Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel, die Hintermänner bekleiden höchste Regierungsämter. Als sein Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Blomkvists Partnerin Lisbeth Salander, da die Tatwaffe ihre Fingerabdrücke trägt. Eine mörderische Hetzjagd beginnt und Lisbeth Salander taucht ab.
Story:
Ein Fall von Mädchenhandel, ein aus dem Staatsdienst ausgestiegener Detektiv Mikael Blomkvist und seine undurchschaubare Ermittlerkollegin Lisbeth Salander - das sind die wichtigsten Mittel, die Stieg Larsson für sein Werk "Verdammnis" verwendete. Nach "Verblendung" ist dies der zweite Teil der Millennium-Trilogie, die in letzter Zeit sowohl in literarischer als auch in visueller Form für viel Furore sorgte. Verwunderlich ist dies keineswegs, ist doch auch das Hörspiel von einer sehr hohen atmosphärischen Dichte geprägt, die den Hörer lange Zeit im Unklaren über die Geschehnisse und dann auch mit einem offenen Ende zurücklasst, das im dritten Teil, "Vergebung", wohl einen Abschluss finden wird. Im Wesentlichen fokussieren Walter Adler als Regisseur und Stieg Larsson als Autor bei ihrer Erzählung, die eine Länge von 165 Minuten einnimmt, die Zerbrechlichkeit der einzelnen Charaktere, was durch zunächst sehr undurchschaubare Personen und Handlungen geschieht. Besondere Brisanz erlangt das Hörspiel durch die private Ermittlungsarbeit, die der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Die Funktion des Erzählers beschränkt sich auf die kurze Erläuterung der Handlungsumgebung, was durch die kühle Vortragsweise einen zusätzlichen Spannungsreiz schafft. Akzente, welche bereits "Verdammnis" zu einem höchst interessanten Thriller machten, werden auch dieses Mal wieder klug umgesetzt und schaffen eine so real wirkende Welt, dass diese kaum einen Hörer kalt lassen dürfte. Zart besaitete Seelen sollten sich dieses Werk besser nicht anhören, ansonsten verspricht aber auch der zweite Abschnitt der Trilogie wieder ein psychokriminologisches Spektakel, das man sich als Krimifan besser nicht entgehen lässt.
Sprecher:
Walter Adler bekommt als Regisseur alle Hände voll zu tun, er muss in der knapp dreistündigen Spielzeit Tonsequenzen von mehr als 30 Sprechern zurechtschneiden und nahtlos aneinanderfügen, was ihm ohne Zweifel ganz ausgezeichnet gelingt. Eine entscheidende Rolle nehmen die immer wieder verzögerten Sätze während der Dialoge ein, die ein enormes Spannungspotenzial wecken, was dem Thriller eine solche nervenaufreibende Tiefe verleiht. So muss Sylvester Groth als Mikael Blomkvist einige Male sein Können unter Beweis stellen, wenn er trotz der um ihn herum ablaufenden brisanten Handlung in seiner Rolle Ruhe bewahren muss, um sachlich und realistisch den Fall zu bearbeiten. Gemeinsam mit seiner Kollegin Anna Thalbach, die eine gefühlsmäßige Wellenfahrt während der Spielzeit erlebt, überzeugt das Duo in allen Belangen, mit Ulrich Matthes kommt als Erzähler außerdem ein erfahrener Hörspielsprecher hinzu, der sich nahtlos mit seiner Leistung einfügen kann. Mit Klaus Herm, Wolfgang Condrus, Joachim Kerzel, Ernst Jacobi, Udo Schenk und vielen weiteren Sprechern gelingt Hörspielkino von ganz großem Format, das der WDR mit "Vedammnis" gestaltet hat.
Musik und Effekte:
Eigens für das Hörspiel komponierte Pierre Oser eine Melodie, die zwischen den vielen Szenenwechseln immer wieder zum Einsatz kommt und auch während der gesprochenen Passagen ab und an im Hintergrund das Hörspiel untermalt. Gerade diese kann die düstere, bedrückende Atmosphäre der Handlung im vollen Umfang auf den Hörer übertragen und so für einen enormen Unterhaltungswert sorgen. Die Tontechniker des WDR zeigen ein weiteres Mal, dass sie ihr Handwerk beherrschen und schaffen eine so authentisch wirkende Welt, dass die fiktive Handlung schnell eine sehr nachdenkliche Wirkung erzeugen kann. Auch die Effekte unterstützen diese Stimmung, hierbei achtet man besonders gezielt auf die Verwendung von wenigen, aber klangvollen Elementen, die die nötige Spannung erzeugen. Aus produktionstechnischer Sicht eine sehr gut geglückte Leistung, die einen entscheidenden Anteil an der Qualität des Hörspiels trägt.
Fazit:
So konnte mich auch der zweite Teil der Millennium-Trilogie begeistern, was besonders am sehr intelligenten Aufbau der Handlung und der Erzählperspektiven liegt, die sowohl emotionale als auch rationale Elemente beinhaltet, welche von überzeugenden Sprechern dem Hörer nahegebracht werden. Schließt der dritte Teil auf gleichem Niveau die Trilogie ab, so darf man von einer der erfolgreichsten Kurzhörspielreihen sprechen, die es im deutschsprachigen Raum je gegeben hat. "Verdammnis" ist nicht nur für Larsson-Fans den Kauf wert!
Note 1-
Stieg Larsson - Verdammnis



