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John Wyndham - Die Triffids


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Nach einem Kometenschauer über London ist die Zivilisation zusammengebrochen. Triffids, riesige, fleischfressende Pflanzen, haben die Kontrolle übernommen und bedrohen die überlebenden Einwohner. Der Klassiker der Science-Fiction-Literatur in der legendären Hörspielinszenierung des WDR mit Hansjörg Felmy als Bill Mason führt den Hörer durch ein apokalyptisches Szenarium. Der Straßenfeger aus den 60er Jahren - eine Wiederentdeckung kultig wie Paul Temple.

Story: Wer die Romane von George Orwell bereits kennt oder diese vielleicht sogar als Hörspiel besitzt, der wird wissen, auf was man sich bei der Erzählung um "Die Triffids" einlässt. Anfangs zweifelte ich daran, ob Killerpflanzen in einem utopischen Roman wirklich so viel Spannungspotenzial aufbauen können, um auch in einem Hörspiel, das übrigens schon 1970 aufgenommen und vertont wurde, für genügend Nervenkitzel zu sorgen . Geradzu typisch für die Radiohörspiele dieser Zeit kommt die Handlung daher, der Hauptcharakter Bill Mason führt auch die Rolle des Erzählers aus. Bill Mason ist einer der wenigen Bürger Englands oder gar der Welt - so genau wird der Hörer hier nicht in die teils stark fiktive Welt eingeweiht -, der sein Augenlicht noch besitzt und deswegen weitere Mitstreiter sucht, die gemeinsam mit ihm die Bedrohung duch die Art der Killerpflanzen, Triffids genannt, auslöschen sollen. So trifft er während seiner Reisen auf viele Menschen, deren Probleme sich ganz offensichtlich aufzeigen und denen Mason helfen muss; die Umsetzung fällt dabei sehr kurzweilig und realistisch aus, die Gefühle der blinden Menschen scheinen den Ernst der Lage noch nicht wirklich widerzuspiegeln, aber die Menschen, denen das Augenlicht erhalten geblieben ist, wissen doch sehr wohl, in welcher Gefahr sie sich befinden. Dadurch ergibt sich eine greifbare Atmosphäre im Hörspiel, die so in kaum einem zweiten Hörspiel zu finden ist, das Konzept von Hörspielbearbeiter Giles Cooper und Regisseur Heinz-Dieter Köhler geht auf.

Sprecher: Was dieses Hörspiel aber eigentlich erst richtig interessant macht, ist die Interaktion zwischen den Sprechern, die alle gemeinsam in einem Studio aufgenommen wurden. Hansjörg Felmy trägt eindeutig den Löwenanteil am Hörspiel, er ist eben jener benannte Bill Mason, dessen Weg in der vom Kometenschauer erblindeten Welt näher beleuchtet wird und zu dem man etwas weiter Zugang bekommt, als es bei den anderen, dadurch sehr kühl wirkenden Sprechern, der Fall ist. Erschreckend und gleichsam große Hörspielkunst ist es, wie Felmy hier mit der Ruhe in seiner Stimme verdeutlichen kann, wie ernst die Lage ist - nämlich so ernst, als dass große Gefühlsausbrüche nicht möglich sind und man sich lieber auf die wichtigen Dinge fixieren sollte. Diesen Denkanstoß gibt man den Hörern mit auf den Weg, geradezu paradox erscheint es, dass in eben solchen Situationen die Ratio vor die Emotionen gestellt wird. Als ständiger Antreiber der weiteren Menschen, die ihr Augenlicht noch besitzen, führt er so Margot Leonard und weitere Sprecher durch Teile der Welt, ständig variieren die Sprecher, mit denen Felmy in den Dialog tritt, so ergibt sich auch hier eine abwechslungsreiche Gestaltung des Literaturklassikers. Alle Sprecher, selbst die jüngsten, liefern sehr gute Leistungen ab, fast nicht verwunderlich bei einer Radioproduktion des WDR, die dankenswerterweise vom DAV nun auch als CD-Version aufgelegt wurde.

Musik und Effekte: Harald Banter zeigt sich für den Einsatz und die Auswahl der Musiken verantwortlich, die allerdings insgesamt zu monoton ausfallen, um den sehr guten Bewertungen der anderen Bereiche noch mehr Nachdruck zu verleihen. Sicherlich, die Hauptlast der Produktion sollte bei der Handlung liegen und die Technik nicht weit davon ablenken, aber wenn bei jedem Szenenwechsel die gleiche Melodie ertönt, so verliert dieser Bereich auch seinen Nutzen. Bei den Effekten sind einzig die Triffids als wesentlich zu kennzeichnen, hierfür hat man comicähnliche Geräusche verwendet, die die Gesamtsituation zwar nicht unbedingt anschaulicher machen, aber immerhin erkennen lassen, dass eine Bewegung stattfindet, die man bei Pflanzen natürlich nicht verbal ummünzen konnte. Steigerungsbedarf sehe ich im Bezug auf "Die Triffids" nur bei der technischen Realisation, hier lässt man Potenzial liegen, was vermutlich mit der Aufnahmezeit des Hörspiels zusammenhängt.

Fazit: Auf dem CD-Rücken wird John Wyndham von Stephen King mit den Worten gelobt, er sei "der wohl beste Science-Fiction-Autor, den England jemals hatte". Mit Betonung auf dem Wort "wohl" kann ich diesem Zitat für dieses Hörspiel zumindest zustimmen, "Die Triffids" steht für mich auf einer Ebene mit den Hörspielumsetzungen von George Orwell, die Tiefgründigkeit ist deutlich erkennbar, der Hörer wird zum Nachdenken über die Thematik angeregt. Damit hat Wyndham den Zweck seines Romans erfüllt, die Hörspielumsetzung gelingt sehr gut, weshalb ich diese Bewertung als angemessen erachte.

Note 1-