www.hoertipps.de >> Einzelhörspiele >> Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze
Inhalt:
Erinnern Sie sich noch an die Rechenkünste von Helmut Kohl? Oder an die Verbalsaltos von Franz Josef Strauß? Politiker gehen miteinander nicht zimperlich um und tummeln sich ständig vor Mikrophonen. Seien wir dankbar, denn so gibt es auch allerhand Pannen und Peinlichkeiten aus ihrem Mund. Da spricht Angela Merkel mit ihrem hessischen Kollegen Roland Kotz oder fragt sich, wie es nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes weitergehen soll, Betroffene werden zu Besoffenen und endlich ist klar: Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze! - Das Hörbuch zur Lage der Nation!
Story:
Es ist Wahlkampf 2009 - es herrscht Politikverdrossenheit und genau in diesen Markt versucht der Höverlag mit dieser Produktion zu stoßen. Geboten bekommt man 90 Minuten voller Politikversprecher, die einige amüsante Züge aufweisen können, besonders, wenn die eigentlich zusammenhangslosen Fehler in Geschichten verarbeitet werden, in denen dann Politiker von heute mit Politikern aus den Zeiten der Entstehung der Bundesrepublik diskutieren. Oder wenn Edmund Stoiber von gebärenden Männern redet, Angela Merkel innerparteiliche Streitereien unfreiwillig zugibt oder Joschka Fischer vorübergehend aus dem Parlament ausgeschlossen wird und dem Bundestagspräsidenten seine Meinung in sehr deutlicher Weise mitteilt. Politikfans werden hier sicherlich an die ein oder andere humoristische Sternstunde erinnert werden, die Ulrich Sonnenschein in 11 Kapitel thematisch zusammengefasst hat. Mir persönlich fehlt ein wenig der letzte Reiz in der Geschichte, die Witze leben vorallem von den Versprechern, die Story drumherum bleibt leider eher blass, da wäre bestimmt mehr Potential ausschöpfbar gewesen. Ich vermute, dass weniger politisch interessierte Wähler keinen Gefallen an dem Hörspiel finden werden, dazu hätte mehr Hintergrundwissen gebracht werden müssen.
Sprecher:
Gleichsam als Autor, Regisseur und Sprecher arbeitend, führt Ulrich Sonnenschein durch dieses O-Ton-Hörspiel. Er wurde 1961 geboren und ist mittlerweile als Redakteur und Autor beim Hessischen Rundfunk aktiv. Dort ist er besonders für den literarkulturellen Part zuständig. Seine Leistung ist in Ordnung, jedoch färbt seine Stimme nicht weiter das Hörspiel und bleibt eher blass, genauso wie die Rahmenhandlung rundherum. Als Autor und Strukturierer der Versprecher war seine Leistung auf jeden Fall besser als seine Performance als Sprecher - eigentlich schade, denn aus diesen Vorlagen hätte man bestimmt mehr herausholen können. Ein professioneller Sprecher, dessen Tagesgeschäft tagtäglich darin besteht, Texte einzusprechen, wäre wohl die bessere Wahl gewesen.
Musik und Effekte:
Auf Musiken und Effekte wurde hier verzichtet, einzig Sonnenschein führt durch das Hörspiel und bleibt dort eher nur der Begleiter der Zitate, auch hier wäre deutlich mehr dringewesen. Die Tonqualität allerdings ist positiv hervorzuheben, selbst älteste Zitate sind gut verständlich - insofern hat Ulrich Sonnenschein alles richtig gemacht, doch ein Musiker bzw. der vermehrte Einsatz von Musikstücken hätte bestimmt geholfen. Eher mager, was der Zuhörer in diesem Sektor geboten bekommt.
Fazit:
Für mich wirkte diese Produktion mehr wie ein schneller Output, damit das Hörspiel möglichst zur Bundestagswahl 2009 auf dem Markt war und die Sprüche bieten genug Potenzial für eine unterhaltsame Geschichte und werden sicherlich auch einige Lacher auf die Lippen zaubern - aber insgesamt bleibt die Umsetzung eher von magerem Umfang, die 90 Minuten Spielzeit hätte man knackiger lösen können und der schnelle Übergang von Kapitel zu Kapitel ist manchmal auch sehr abrupt. Trotzdem sind Gespräche wie beispielsweise die Diskussion zwischen Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner höchst unterhaltsam und so sind doch einige positive Aspekte zu nennen. Insgesamt ein mittelmäßiges Hörspiel, das doch stark von den rhetorischen Fehlern der Politiker profitiert.
Note 3+
Ulrich Sonnenschein - Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze




