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Inhalt:
In der Ystader Polizei geht der Hinweis ein, dass ein herrenloser LKW-Container seit mehreren Tagen im Wald steht. Linda Wallander und ihren Kollegen offenbart sich darin ein grausamer Fund: neun Leichen - und ein kleines Kind, das wie durch ein Wunder noch am Leben ist. Ein brutaler Menschenhändlerring scheint in Ystad sein Unwesen zu treiben ...
Story:
Starke Nerven sollte man besitzen, wenn man Zuhörer dieses Hörspiels sein möchte. Mit einem Einstieg, den man sich wohl kaum schrecklicher ausmalen könnte, begeben sich Kurt Wallander sowie seine Tochter Linda Wallander und seine Mitarbeiter Nyberg und Stefan Lindman auf die Suche nach dem Schänder, der den LKW-Container in einem abgelegenen Waldstück abgestellt hat. Anfangs tappen sie im Dunkeln und die Speditionsfirma scheint der einzige Verdächtige zu sein, sodass man sich in der ersten Hälfte besonders mit den Gefühlen der Ermittler auseinandersetzt, für die der Inhalt des LKWs kein leichter Anblick war. Gegen Ende hin kommt die Story dann nochmal ordentlich in Fahrt und der Menschenhändlerring wird - wenn auch nur langsam - aufgedeckt. Das ganze wird auf einem hohen atmosphärischen Niveau erzählt, bei dem die Schicksale der einzelnen Ermittler aufgegriffen und dann in einen sinnvollen Gesamtzusammenhang gestellt werden. Es ist in meinen Augen nicht der beste Fall, den Henning Mankell hier vorgelegt hat, aber alleine mit der groben Rahmenhandlung wird das Hörspiel so schnell nicht mehr aus den Köpfen der Hörer entweichen können.
Sprecher:
Trotz der umfangreichen Spieldauer von 60 Minuten kommen nur relativ wenige für die Tat in Betracht kommende Charaktere im Hörspiel vor. Von Seiten der Ermittler bekommt man es mit dem gewohnten Team zu tun, im Blickpunkt steht dieses Mal besonders Linda Wallander, die als erste die schlimme Entdeckung des Containers macht und im Folgenden nur schwer von ihren Erinnerungen zu trennen ist. Ulrike Tscharre weiß mit dieser Emotionalität umzugehen, leicht verstörend wirkt es gar schon und erzeugt einen hohen Spannungsmoment, weil man nicht weiß, ob sie für die Ermittlungsarbeiten gefestigt ist. So wirkt die Serie außerdem authentischer, die Polizisten sind nicht nur einfache Arbeitsmaschinen, sondern haben mit äußerst menschlichen Problemen zu kämpfen, die sie mitunter auch einmal an der Arbeit hindern. Axel Milberg, in der Rolle Vater von Linda, spürt man teilweise auch die Unsicherheit an, so kommen die Sprecher glaubwürdig herüber und binden den Hörer ans Hörspiel. Den Erzählerpart übernimmt Andreas Fröhlich und ich würde ihn gerne öfters in solch ruhigen Rollen hören, die meiner Änsicht nach viel besser zu ihm passen als aufgebrachte Charaktere. Ansonsten liefern auch die Gastsprecher gelungene Leistungen ab, viel genauer möchte ich darauf nicht eingehen, da dies sonst zu viel von der Handlung verraten würde. Deswegen seien an dieser Stelle nur noch die weiteren Sprecher erwähnt, es handelt sich um Christian Stark, Hannes Hellmann, Jürgen Uter, Helga Schütz, Vladimir Pavic, Martin May und Sandra Bergmann.
Musik und Effekte:
Man könnte fast schon meinen, dass alles, was Jan-Peter Pflug im Bereich des Hörbuchs und Hörspiels anrührt, im übertragenen Sinne zu Gold wird, denn auch hier kreiert er wieder einen ganz eigenen Sound für die Serie, der von melancholischen Musiken geprägt ist und dadurch den Hörer in eine bedrückende Stimmung versetzt. Diese stellt für mich auch den großen Reiz der "Wallander"-Krimis dar, weil ein hohes Maß an atmosphärischer Kälte erzeugt wird, die bei solch grausamen Taten wie dem hier beschriebenen einfach perfekt passt. Ungemein stark sind auch die Effekte, auch hier ist man mehr auf die dezente Untermalung bedacht, aber die Kriminaltaten stehen für sich alleine und sind schlimm genug, um den Hörer die volle Stunde lang fesseln und unterhalten zu können.
Fazit:
Auch diese Hörspiel-Adaption des Fernsehfilms "Tödliche Fracht" von Henning Mankells Kommissar Wallander kann mit der gut nachvollziehbaren Ermittlungshandlung überzeugen. Die Charaktere bilden ein sehr menschliches Gespann, in welchem auch Fehler an der Tagesordnung sind, sodass unter dem Strich ein äußerst glaubwürdiger Fall gelingt, der seine Spannung alleine schon durch die heftigen Umstände der Tat erhält. Technisch hält man diese Spannung auf einem sehr hohen Niveau, das nur wenige vergleichbare Serien halten können und so bekommt man wieder einen guten Fall zu hören. Nichts für schwache Nerven, aber ein Krimi auf hohem Niveau.
Note 2+
Wallander - Tödliche Fracht



