
Ab dem 25.02.2011 sind die ersten beiden Folgen der neuen Hörspielreihe "MindNapping" mit den Titeln "Auf gute Nachbarschaft" und "Die 9mm-Erbschaft" käuflich erwerbbar. Doch wer steckt eigentlich hinter dem neu gegründeten Label "Audionarchie", das die Folgen produziert hat? Wir sprachen vor Veröffentlichung mit Produzent und Regisseur Patrick Holtheuer, der sich in den vergangenen Jahren durchaus schon einen großen Namen in der Hörspielszene gemacht hat.
Interview mit Patrick Holtheuer:
www.hoertipps.de: Herr Holtheuer, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich unseren Fragen stellen.
Patrick Holtheuer: Nichts zu danken, jederzeit gerne.
www.hoertipps.de: Ende Februar 2011 erscheinen die ersten Folgen Ihrer Debütreihe „MindNapping“. Gleichzeitig sind es auch die ersten Hörspiele unter dem Stern Ihres neuen Labels „Audionarchie“. Wann haben Sie den Entschluss gefasst, ein eigenes Label zu gründen?
Patrick Holtheuer: Das war im August, nachdem ich zuvor schon mit dem Gedanken gespielt hatte, mich selbständig zu machen. Den Gedanken, ein eigenes Label zu gründen, den hat wohl jeder mal, aber im August 2010 wurde es dann akut und ich habe das Projekt angepackt, geplant und durchgezogen und es ging relativ unproblematisch über die Bühne. Hier und da gab es zwar ein paar Hürden, die zu nehmen waren, aber alles in allem hätte es durchaus schwieriger sein können.
www.hoertipps.de: Sie selbst haben die „Audionarchie“ ausgerufen – was darf man darunter verstehen?
Patrick Holtheuer: Ganz klar, der Labelstart ist die ausgerufene Audionarchie, ein Wortspiel. Man erkennt im Labellogo die Anarchie und die Monarchie, zwei Regierungsformen, die bei der Audionarchie zusammengezogen werden. Auf der einen Seite bringe ich Stoffe, die nicht jedes Label bringt, so stelle ich mich ein wenig gegen den Strom und der eine oder andere sieht mich ja durchaus als Rebell der Szene an, von daher passt das mit der Anarchie schon. Die Monarchie zielt darauf ab, dass die Hörerschaft König ist, da ich Stoffe präsentieren möchte, die an eine mündige Hörerschaft appellieren, ich halte die Hörer da draußen für absolut fähig, sie mit intelligenteren Geschichten herauszufordern, sie nicht zu unterfordern.
www.hoertipps.de: Wer wird zum festen Mitarbeiterteam der „Audionarchie“ gehören?
Patrick Holtheuer: Der einzige feste Mitarbeiter bin ich, bei der Audionarchie handelt es sich um eine e.K. und ich muss für alles den Kopf hinhalten. Es ist aber so, dass Marcus Görner im Prinzip zum Team gehört, da zwei Folgen von „MindNapping“ aus seiner Feder stammen. Im erweiterten Sinne gehört auch Marko Peter Bachmann ebenfalls schon fest zur Truppe, da ich in den Graceland Studios in Hamburg um die 90-95% der Aufnahmen mache.
www.hoertipps.de: Wie kam es zur Idee für die Serie „MindNapping“?
Patrick Holtheuer: Die Idee spukte Marcus und mir schon länger im Kopf herum, lange bevor überhaupt das Vorhaben eines eigenen Labels in mir aufkeimte. Wir sind beide große Fans der leider eingestellten Serie „Schattenreich“ und auch von David Lynch. „Mindfuck“-Hörspiele fehlten uns einfach, wo mit den Sinnen gespielt wird, wo der Hörerschaft erst was vorgegaukelt wird und man sie im Prinzip an der Nase herumführt und am Ende kommt dann doch alles ganz anders mit „Aha-Effekt“. Sowas fehlt der Hörspielwelt einfach und es wurde auch mit dem Gedanken gespielt, „MindNapping“ für andere Verlage zu produzieren, aber dann fasste ich doch den Entschluss, alles auf eigene Rechnung zu machen.
www.hoertipps.de: Wie viele Folgen sind bei „MindNapping“ geplant? Wird es eine Serie mit großem Handlungsstrang à la „Gabriel Burns“?
Patrick Holtheuer: Nein, „MindNapping“ ist eine Reihe, die aus Einzelfolgen besteht, hier und da kann zwar immer wieder mal der eine oder andere Charakter erneut auftauchen, aber dann eher als eine Art „running gag“, das wird bereits in Folge 3 der Fall sein, da mischen zwei Charaktere aus Folge 1 wieder mit und ein paar Anspielungen wird es auch geben. Und „MindNapping“ wird so lange laufen, wie die Reihe gekauft wird und Ideen vorhanden sind.
www.hoertipps.de: Wie sehen die Output-Planungen betreffs Ihrer Serien aus?
Patrick Holtheuer: Von „MindNapping“ wird es am 25.02. erstmal zum Start zwei Folgen geben und wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, dann wird es alle zwei Monate eine weitere Folge geben.
www.hoertipps.de: Sind bereits weitere Serien in Planung?
Patrick Holtheuer: Ja, Planungen für weitere Produktionen gibt es, aber dazu möchte ich mich noch nicht großartig äußern. Zunächst wird „MindNapping“ auf den Weg gebracht, dann sehen wir weiter.
www.hoertipps.de: Werden die Serien auch weiterhin dem (Psycho-)Thrillergenre angehören?
Patrick Holtheuer: Nein, das deckt „MindNapping“ ab, kommende Projekte bewegen sich in anderen Genres, aber auch da muss ich mich noch bedeckt halten. Es soll jedenfalls in gänzlich andere Richtungen gehen.
www.hoertipps.de: Wie sehen Sie den Hörspielmarkt allgemein? Gibt es Marktlücken, die es zu füllen gilt?
Patrick Holtheuer: Sicher gibt es die auch heutzutage noch und ich versuche ja unter anderem mit „MindNapping“ eine dieser Lücken zu füllen, aber da gibt es noch mehr und in die will ich mit kommenden Projekten hineinstoßen. Der Markt ist zwar angeblich satt, aber das sehe ich nur in bestimmten Genres so, nicht allgemein.
www.hoertipps.de: Gibt es für Sie Vorbilder im Bereich der Hörspielproduktion? Sind Ihre Hörspiele vielleicht sogar durch die Arbeit bestimmter Menschen inspiriert?
Patrick Holtheuer: Vorbilder? Nein, die gibt es nicht. Ich habe mich nicht ans Regiepult gesetzt und gesagt „So, jetzt mache ich das mal wie Leonhard Koppelmann!“ Da gehe ich meinen ganz eigenen Weg und es würde wohl auch nichts bringen, wenn man Kollegen nachäfft, man muss sich selber einen Namen machen. Ich bin auch nicht hingegangen und habe mir vorgenommen, wie andere Label zu produzieren und meine Hörspiele so klingen zu lassen. Audionarchie pur wird geboten!
www.hoertipps.de: Werden Sie selbst Teil der Sprecherriegen in Ihren Produktionen sein? Schließlich haben Sie auch schon die ein oder andere Referenz als Sprecher vorzuweisen.
Patrick Holtheuer: Nein, das ist nicht angedacht, auch wenn ich schon in der einen oder anderen Produktion mitgemischt habe und auch in Zukunft hier und da mal mitsprechen werde. Ich greife für meine Produktionen lieber auf namhafte Routiniers zurück, denn die stellen wohl eher einen Kaufgrund dar, ich habe nicht wirklich den Namen in der Sprecherbranche.
www.hoertipps.de: Sie wohnen jetzt in Duisburg. Duisburg ist - mit Verlaub - derzeit nicht besonders populär für seine Hörbuch- und Hörspielszene. Wie wäre es denn mit einem Umzug bspw. nach Berlin, wo die Szene doch deutlich größer ist?
Patrick Holtheuer: Ein Umzug ist nicht angedacht, da ich auch so schnell mal in Hamburg oder Berlin sein kann. Dort finden die Sprachaufnahmen statt, dafür muss man nicht gleich umziehen, das lässt sich auch mit mehrtägigen Aufenthalten in den jeweiligen Städten lösen. In der heutigen Zeit ist ja sowieso auch alles miteinander vernetzt, da kann viel über das Internet gelöst werden und nur das eigentliche Einsprechen wird vor Ort gemacht. Das ist etwas, was ich mir auch nicht nehmen lassen möchte. Sicherlich könnte ich das über Telefonregie lösen oder per Skype, aber es ist immer angenehmer, wenn man die Sprecherinnen und Sprecher im Studio vor Ort trifft und auch dort direkt austauschen kann, eventuell auch mit Gesten, das hilft ungemein.
www.hoertipps.de: Sind bislang Live-Hörspiele oder ähnliches von Ihrer Seite aus geplant?
Patrick Holtheuer: Es findet eine Record Release Party am 18.02. in der Mathilde Bar in Hamburg statt, ansonsten sind derartige Events noch nicht angedacht, auch wenn das sicherlich eine feine Sache ist. Ich schließe es jedenfalls nicht aus, so was kann durchaus mal passieren.
www.hoertipps.de: Wie sehen Sie Ihre persönliche Zukunft? Für immer Hörspiel?
Patrick Holtheuer: Wenn mit Hörspiel generell die Branche an sich gemeint ist, dann kann ich mir das durchaus vorstellen, für immer darin aktiv zu sein, denn es ist genau das was ich machen will. Wenn mit Hörspiel das Format gemeint ist, dann würde ich mich da nicht festlegen lassen, nein. Ich würde auch Lesungen, Features, O-Töne produzieren, wenn man mich beauftragt.
www.hoertipps.de: Und was wird aus der Hörspielhölle, Ihrer Homepage, auf der Sie seit Jahren Rezensionen zu Audioproduktionen veröffentlichen?
Patrick Holtheuer: Die wird weiter brennen, keine Sorge. Das mag jetzt nach Selbstlob oder Arroganz klingen, aber ich sehe auch weiterhin den Bedarf für meine Seite und meine Rezensionen, es gibt noch zu viele Schönschreiber, die alles und jeden durchwinken. Es ist ja nicht so, dass ich bewusst hingehe und etwas verreiße, weil mir danach ist, sondern ich setze mich kritisch mit einem Produkt auseinander. Gibt es was zu kritisieren, dann mache ich das. Gibt es gute Momente und erwähnenswerte Punkte, dann wird gelobt. Ich gehe an jedes Produkt absolut unvorbelastet ran. Wer das Gegenteil behauptet, der lügt, so einfach ist das. Zumal ich mich frage, was ich davon haben sollte, wenn ich jedes Produkt plätten würde, wenn ich es bespreche, das macht doch keinen Sinn. Es ist auch nicht so, dass ich mir jetzt jeden Tag bewusst zig Stunden Müll reinziehen möchte, das wäre auch Quatsch. Wie gesagt, ich gehe an alles unvorbelastet ran und urteile dann, alles andere blende ich aus, z.B. ob ich mit dem Label oder den Machern gut kann, ich kann jedenfalls trennen und das sollten einige andere auch mal lernen und so handhaben. Ich habe zwar mit dem Gedanken gespielt, die Hölle zu schließen, das 10jährige Jubiläum am 18. Juli 2011 wäre ein guter Zeitpunkt, aber bis dahin werde ich wohl lediglich den regelmäßigen „Wahnsinn“ einstellen, denn es ist erfreulich festzustellen, dass immer weniger schlechte Produktionen erscheinen, dieses Gefühl habe ich jedenfalls. Sporadisch wird es zwar immer wieder einen Verriss geben, aber nur wenn es sich ergibt. Die Hörspielhölle wird es also auch in Zukunft noch geben.
www.hoertipps.de: Herr Holtheuer, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihr Label und hoffen im Sinne aller Hörspielfans auf zahlreiche sehr gute Produktionen von der „Audionarchie“!
Patrick Holtheuer: Nichts zu danken, ich habe zu danken, es hat mir sehr viel Spaß gemacht, jederzeit gerne wieder.
Das Interview führte Alex Sölch am 19.02.2011.
Weblinks:
MindNapping 1: "Auf gute Nachbarschaft" bei pop.de


