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Point Whitmark - Verirrt im Spinnenwald
Rezension von Alex Sölch
Inhalt: Liegt tief im Wickham Forest wirklich ein über hundert Jahre alter Bunker verborgen? Und wenn ja, welche Geheimnisse mag er in seinen lichtlosen Kammern verwahren? Jay, Tom und Derek wollen die Wahrheit herausfinden und verabreden sich, um den düsteren Wald zu durchkämmen. Doch das Böse lauert unter den alten Bäumen. Es treibt die Tiere fort ... und breitet sich aus. Derek ist plötzlich unauffindbar. Tom macht sich allein auf die Suche, doch auch er verfängt sich im Netz der achtbeinigen Schrecken. So bleibt Jay keine Wahl, als seinen Freunden in das Herz der Finsternis zu folgen ...
Story: Hört man sich in Fankreisen um, verliert offenkundig "Point Whitmark" für viele langsam den Reiz, da zu selten der Radiosender im Vordergrund steht, nach dem die Hörspielserie überhaupt erst benannt worden ist und die die berufliche Heimat von Jay, Tom und Derek - den drei Hauptprotagonisten - ist. Ist es also als eine Art Entgegenkommen zu sehen, dass mit "Verirrt im Spinnenwald" eine Folge geliefert wird, die eine Szene im Radiosender beinhaltet? Ein Interview führt einen der drei Hauptprotagonisten in den Strudel, der diese Folge beherrscht. Von drei Seiten aus geraten Jay, Tom und Derek in den mysteriösen Spinnenwald, sodass als Konsequenz daraus die Handlung auch aus drei Perspektiven geschildert wird. Erst zur Auflösung der Umstände werden alle drei wieder vereint, bis dato haben zahlreiche Wendungen für jede Menge Spannung gesorgt und zeigen, dass "Point Whitmark" nicht abgeschrieben werden darf. Für Kinder wird es schwer sein, die Geschehnisse in dem von Ungeziefer geplagten Wald als Freude zu empfinden, doch ab dem jugendlichen Alter wird "Verirrt im Spinnenwald" einigen Zuhörern Schrecken bescheren. Ebendies soll ein gutes Hörspiel schaffen, die Emotionen werden geweckt, zudem ist das Hörspiel aufgrund der Stück für Stück erschlossenen Lösung von Anfang bis Ende äußerst interessant. Von einer schwachen Handlung kann also nicht die Rede sein.
Sprecher: Zu einem geglückten Hörspiel tragen in weiten Teilen auch die Sprecher bei. Jeder der drei Hauptprotagonisten bekommt eine ständige Begleitung an die Seite gestellt, in Folge dessen verteilen sich die Anteile am Hörspielskript sehr gut und sinnvoll auf alle Akteure. Sven Plate, Kim Hasper und Gerrit Schmidt-Foss führen seit Anbeginn der Serie die Sprecherriege an, ihnen bei steht Jürg Löw als Erzähler, der angesichts der aufgeteilten Handlung einiges zu dirigieren hat, um die Geschehnisse dem nur lauschenden Hörer zu verdeutlichen. Alle vier zeigen die gewohnt engagierten Leistungen, natürlich zeigen Plate, Hasper und Schmidt-Foss aufgrund des düsteren Waldes eher die schreckhafte Seite ihrer Stimmen, im späteren Verlauf allerdings schwingt das wieder in die gewohnte Lockerheit um, die alle ausdrücken können. Oliver Beerhrenke, Liane Rudolph und Claus-Dieter Clausnitzer stellen die wichtigsten Nebencharaktere dar, auch ihnen allen gelingen souveräne Leistungen, die "Verirrt im Spinnenwald" zu einer hörenswerten Audioproduktion werden lassen. Verstärkt wird die Sprecherriege durch Thomas Petruo, Karin Buchholz, Ingeborg Wunderlich, Frank Schaff, Bert Stevens und Ulrich Voß.
Musik und Effekte: Abwechslungsreich präsentiert sich auch die musikalische Untermalung von "Verirrt im Spinnenwald". Einen Hauch Skurrilität besitzt bereits die Anfangsszene, die sehr düster gehalten ist, den Hörer im Unwissen lässt und dann in die heiter-fröhliche Intromusik der Serie überleitet. Kurz darauf aber geht es wieder in die Tiefen des Spinnenwaldes, sodass orchestrale Arrangements von Matthias Günthert und Volker Sassenberg ihren Zweck erfüllen sollen. In dieser Phase stimmt dann unter anderem ein Klavier auf die Gefahren des Waldes ein, sodass sich ein Unwohlbefinden einstellt, das dramaturgisch genau auf die Handlung von "Verirrt im Spinnenwald" passt. Hinzu gesellen sich Geräusche, die eine glaubwürdige Kulisse vermuten lassen, denn das Rascheln der Schritte im Wald, die urplötzlichen Bremsmanöver und geführten Telefongespräche werden allesamt sehr liebevoll in Szene gesetzt. Technisch zeigt sich dementsprechend "Point Whitmark" erneut von seiner besten Seite.
Fazit: Düstere Jugendunterhaltung mit kriminalistischem Antlitz, mehr darf man von "Point Whitmark" nicht erwarten. Insofern erfüllt "Verirrt im Spinnenwald" all diese Kriterien und wirkt dabei nie überzogen. Alle Vorgänge sind realistisch, der Hang zur Übertreibung ist im Drehbuch von Andreas Gloge und Volker Sassenberg nicht zu erkennen. Hinzu kommt, dass anfangs sogar wieder eine Radioaufnahme stattfindet, was seit längerer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Zwar gibt es hier und da kleinere Schwächen, doch im Großen und Ganzen liegt eine starke Hörspielproduktion vor, die wiederholt gehört werden kann, jüngeren Kindern allerdings eher vorenthalten werden sollte.
Note 2



