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Point Whitmark - Die einäugigen Puppen


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Während eines Besuchs auf dem "Jahrmarkt des großen Feuerballs" kommt es zu einer sonderbaren Begebenheit. Jay, Tom und Derek müssen mitansehen, wie Martin Dupré, der Sohn ihrer Französischlehrerin, verschleppt wird. Darüber hinaus entdecken sie in der Werkstatt des Stanislav Lodz die schaurigen Nachbildungen lebender Kinder. Die weiteren Ungeheuerlichkeiten, die der unheimliche Puppenmacher dort verbirgt, verschlagen den Jugen den Atem. Als schließlich die Dämmerung hereinbricht, erfüllt sich der Fluch der einäugigen Puppen.

Story: Als Jay, Tom und Derek im ersten Hörspiel von "Point Whitmark" an ihren Fall gelangten, stand ihre Reportage über Ereignisse in ihrer Heimatstadt im Vordergrund. Nunmehr hat sich dieses Bild gewendet, schon zu Beginn des Hörspiels macht sich das eindringlich bemerkbar, als Jay und Tom ihren Freund Derek auf dem örtlichen Jahrmarkt besuchen. Vor das Mikrofon treten sie unterdessen nur noch allzu selten, dieses Mal gar nicht. Der Handlungsdynamik tut das hingegen sehr gut, man startet schließlich direkt im Geschehen und lässt eine Aktion auf die nächste folgen, ohne große Erklärungen bieten zu müssen. Somit bleibt der Redeanteil von Erzähler Jürg Löw eher gering, den Spannungsreiz durch den Auftritt des mysteriösen Puppenverkäufers Stanislav Lodz zieht man durch das gesamte Hörspiel, ebenso wie die Frage nach der Bedeutung der direkt zu Anfang der Produktion vorgetragenen Rückblende. Insgesamt sind die Charaktere nahezu allesamt mit französischen Namen versehen, dementsprechend werden sie von Sprecherseite aus auch auf diese Art und Weise interpretiert. Beim Nachnamen Duprè hat sich ein Artikulationsfehler eingeschlichen, denn nach der Betonung im Hörspiel müsste der Name eigentlich Dupré lauten. Dies sei allerdings nur beiläufig erwähnt und ändert nichts an der Qualität des Hörspiels, die daraus resultiert, dass Andreas Gloge und Volker Sassenberg ein Skript mit sehr abwechslungsreichen und interessanten Charakteren gelungen ist.

Sprecher: Wie erwähnt, zieht sich der französische Akzent durch das gesamte Hörspiel. Am deutlichsten bemerkbar macht er sich bei Oliver Beerhenke, den man aus unterschiedlichsten privaten Fernsehsendungen kennen könnte. Sein Talent als Hörspielsprecher halte ich für eher mäßig, die Intonation wirkt eher aufgesetzt als authentisch, was ebenfalls für so manchen weiteren Sprecher gilt. Anderererseits gibt es mit Olaf Baden, Liane Rudolph, Thomas Petruo und einigen weiteren eingesetzten Sprechern einen breiten Pol an herausragenden Stimmen, der "Die einäugigen Puppen" absolut hörenswert macht. Eine interessante im Booklet erwähnte Rolle ist die von Becky Thornton, einem Baby, das seine Stimme von Frida Bänsch geliehen bekam. Dass sie allerdings kein einziges Wort von sich gibt, sondern lediglich ab und an Babyschreie zu vernehmen sind, sei aber nur ein kleiner Seitenhieb auf die sympathischen Anstrengungen, die Derek Ashby im Hörspiel durch das kleine Kind erlebt.

Musik und Effekte: Lauscht man nur der Musik, so könnte man meinen, sich auf einem fröhlichen Jahrmarkt zu befinden. Auf alle Fälle merkt man, dass Matthias Günthert und Volker Sassenberg sich bemüht und viel intensiven Arbeitsaufwand in die Musiken gesteckt haben. Trotz aller furchteinflößenden Handlungsbestandteile empfindet man eine Menge Freude beim Beschreiten der Handlungsorte durch die Protagonisten. Stellenweise erinnerte mich die eingesetzte Musik an Peter und der Wolf von Sergej Prokofjew, denn die Stimmungen und Bewegungen der Figuren werden musikalisch dargestellt, sodass auch die Emotionen auf diesem Wege den Zuhörer erreichen. Mystisch angehaucht, mag manch einer der "Point Whitmark"-Serie vorwerfen, sie sei nicht realistisch genug, mir jedoch gefällt eben der Kontrast zu den vielen, vielen Jugendkriminalhörspielserien, die im Stile der drei ??? gehalten waren, zumindest Assoziationen mit diesen weckten und zu wenig Identifikationspotenzial besaßen. Diese Eigenständigkeit ist bei "Point Whitmark" glücklicherweise noch immer gegeben.

Fazit: Folge 34 der "Point Whitmark" - Serie mit dem Titel "Die einäugigen Puppen" zeigt einmal mehr auf, was eine gelungene Episode der Hörspielserie ausmacht: mysteriöse Gegenstände, undurchschaubare Charaktere und unerklärliche Vorgänge, gepaart mit sympathischen Charakteren. Einzig die Radiosendungen treten immer mehr in den Hintergrund, die zu den Anfangszeiten der Serie noch einen wesentlichen Anteil an der Serie getragen haben. Sieht man einmal davon ab, so entwickeln sich zunehmend interessante Geschichten, die intelligent und eigenständig daherkommen. Auf einem solchen Niveau ist es kaum verwunderlich, dass sich Volker Sassenbergs Serie "Point Whitmark" derartig auf dem Hörspielmarkt etablieren konnte und weitere Folgen bleiben wünschenswert.

Note 2-