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Point Whitmark - Hauptrolle: tot


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Derek Ashby kann es nicht glauben, aber der Brief in der Manteltasche seiner Mutter lässt keine Zweifel: Mrs Ashby wird erpresst! Als sie eines Nachts erneut heimlich das Haus verlässt, folgen ihr Jay, Tom und Derek und stoßen auf den Mann im Nadelstreifenanzug. Ehe die Jungen wissen, wie ihnen geschieht, finden sie sich inmitten eines siebenundzwanzig Jahre alten Mordkomplotts wieder. Der ehemalige Filmstar Norma D'Arcy beichtet ihnen in Todensangst vom bedingungslosen Ultimatum der Bertani-Familie. Und immer wieder fällt ein und derselbe Name: Der Doktor ...

Story: Den Vertriebswechsel sicher über die Runden gebracht, gibt es nun endlich neue Folgen von den drei Radioreportern, die gerne auch einmal kriminalistisch unterwegs sind. Jay, Tom und Derek sind zurück und werden in ihrem 32. Fall auch sofort vor erschreckende Tatsachen gestellt. Was hat es mit der Drehcrew auf sich, wieso befinden sie sich in einem Milieu aus Erpressung und Anschlägen? Verwundert muss man sich die Augen reiben, wie täuschend real die Szenerie auf dem Medium Hörspiel herüberkommt. Hinzu kommt, dass Andreas Gloge und Volker Sassenberg, die das Skript verfasst haben, sehr darauf geachtet haben, die drei Jugendreporter und Hobbykriminalisten alles auf eigene Faust erfahren zu lassen. So ist es nur allzu verständlich, dass sie sich in der Umgebung ihrer Eltern aufhalten, in diesem Fall bietet Dereks Mutter den Aufhänger für eine temporeiche Episode "Hauptrolle: tot", in der undurchschaubare Charaktere für Spannungsreize sorgen und lange Zeit im Unklaren lassen, was ihre eigentliche Intention ist. So ereignen sich im Verlauf der Handlung einige merkwürdige Dinge, die den "Point Whitmark"-Reporter all ihr Können abverlangen. Im finalen Dialog lassen die Autoren dann jedoch kleine Schwächen aufblitzen. Die Auflösung der Umstände hätte man direkter, also aktiver gestalten können, der Dialog wirkt im Vergleich zu den vorangegangenen Geschehnissen träge, sodass die abschließende Dynamik fehlt. Insgesamt jedoch eine sehr zufriedenstellende Geschichte in Gewässern, die bisher noch weniger von Jay, Tom und Derek befahren wurden. Zu begrüßen ist die Bekundung, dass man den vierteljährlichen Veröffentlichungszyklus wieder aufbauen möchte, in dieser Qualität jedenfalls bietet man nur wenige Contra-Argumente.

Sprecher: Nach der längeren Schaffenspause vernimmt man nun auch endlich wieder einige bekannte Stimmen. Glücklicherweise hat der Vertriebswechsel keinerlei Auswirkungen auf den Sprechercast gehabt, eine tiefgreifende Umstruktierung, was den Mitarbeiterstab betrifft, gab es also nicht. Weiterhin leitet Jürg Löw mit geradezu störrischer Ruhe durch die Geschehnisse, beweist sich als objektiver und nüchterner auktorialer Erzähler, der es ermöglicht, dass sich das Spiel der restlichen Sprecher entfaltet. Fiel mir die Gewöhnung an Sven Plate, Kim Hasper und Gerrit Schmidt-Foss anfangs noch schwer, so kann ich mich mit der Auswahl dieser drei auf Dauer doch sehr anfreunden, sie entsprechen der Vorstellung, es mit jugendlichen Protagonisten zu tun zu haben, die auf dem Sprung ins Erwachsensein sind, was in ihrer Eigenständigkeit als Moderatorentrio durchblitzt. Sonja Deutsch übernimmt einen tragenden Teil als Schauspielerin Norma D'Arcy und ist stimmlich mal hysterisch, mal seriös in ihrem Beruf und zeigt somit gleich eine ganze Bandbreite an Können. Der mysteriöse Doktor, die am schwierigsten durchschaubare Persönlichkeit in "Hauptrolle: tot", wird von Claus-Dieter Clausnitzer gesprochen, der seine Sache ebenfalls sehr ordentlich macht, weil er einen sympathischen Eindruck in den entscheidenden Momenten hinterlässt, vorher aber sehr abweisend und staksig wirkt. Eine somit saubere Leistung von den beteiligten Sprechern.

Musik und Effekte: Sehr zurückhaltend präsentiert sich in "Hauptrolle: tot" die technische Seite, die von Matthias Günthert, Marc Sander und Volker Sassenberg übernommen wurde. Vom im Titel genannten Morbiden ist man natürlich noch weit entfernt und auch so weiß die Untermalung gefallen, doch waren es in den letzten Folgen vermehrt sehr düstere Umgebungen, die das Bild der Serie zeichneten. So ist das Filmset einmal eine muntere Abwechslung im Serienkontext, wenngleich man dieses anfangs auch sehr geheimnisvoll gestaltet. Musikalisch also eine sehr ruhige Stimmung, die verbreitet wird - das Geheimnis um die mysteriösen Vorgänge hingegen bleibt und weckt das Interesse. Gleiches Bild bei den Effekten, man bemüht sich hier um eine dezente, authentische Untermalung und liegt so auch nicht falsch. Eine angemessene, wenn auch nicht herausragende Leistung.

Fazit: Am Set ist ordentlich was los. Und das gibt genügend Anlass für Jay, Tom und Derek, munter die Geheimnisse des Drehs zu erspüren und zu offenbaren. Nach langer Abstinenz von über einem Jahr meldet sich "Point Whitmark" mit einer temporeichen und von charismatischen Charakteren gezeichneten Folge zurück, die von Beginn an zwar ein wenig Untermalung vermissen lässt, dennoch vor allem dadurch begeistert, dass der Fall in sich sehr schlüssig ist. Leider werden die finalen Schlüsse in einem recht langatmigem Dialog erzählt, doch vorher macht das Zuhören einfach große Laune. Eine würdige Kulisse für einen interessanten Fall.

Note 2