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MindNapping - Der schwarze Vogel
Rezension von Alex Sölch
Inhalt: Nach dem Erfolg ihres Debütromans taumelt die Autorin Chloe Watson in eine tiefe Krise, denn ihre zweite Erzählung wird von den Kritikern und der Leserschaft verrissen. Ihr Absturz in die Bedeutungslosigkeit ist vorprogrammiert, doch dann entdeckt sie bei einem Spaziergang die Leiche einer jungen Frau. Wäre das nicht der perfekte Aufhänger für einen neuen Roman? Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln. Ein fataler Fehler...
Story: Abwechslungsreichtum soll "MindNapping" mit sich bringen. Daher ist es nur wenig verwunderlich, dass Franjo Franjkovic als weitestgehend unbeschriebenes Blatt in der Hörspielszene ein Skript zur hoffnungsvollen Hörspielreihe von Patrick Holtheuers aufstrebendem Label Audionarchie beisteuert. Anfangs gleicht die aus der Ich-Perspektive geschilderte Erzählung "Der schwarze Vogel" einem Kriminalhörspiel. Ein Leichenfund bringt die Hauptprotagonistin und Identifikationsfigur Chloe Watson in arge Gewissenskonflikte. Als sich jedoch weitere mysteriöse Vorkommnisse reihen, beginnt das altbekannte Spiel mit der Psyche. Freundschaft und Vertrauen scheinen sich in ihr jeweiliges Gegenteil zu kehren, bis abschließend selbst der Zuhörer nicht abschätzen kann, welcher Version der Realität er Glauben schenken darf. Interessant ist der vorliegende Erzählansatz in jedem Fall, wenngleich die Lösung aller aufgeworfenen Fragen bereits in zahlreichen Thrillern verwendet wurde. Nun kann Franjkovic das Rad nicht neu erfinden, allerdings dürfte das Ende des Hörspiels nicht jeden vollends zufriedenstellen, der sich durch "MindNapping" stets einen neuen besonderen Spannungskitzel erhofft. Eine auffallend geringe Zahl an Ausschmückungen erzeugt zwar ein Stück weit Authentizität, doch gelingt es Franjkovic nur bedingt, den auf Psychothriller eingestellten Hörspielhörer in den Bann des Geschehens zu ziehen, wofür in großen Stücken auch die Sprecherleistungen verantwortlich gemacht werden können.
Sprecher: Kerstin Draeger spricht die Texte der Hauptprotagonistin Chloe Watson ein, ihrer Stimme mangelt es aber an Variabilität. Angesichts der offenbar zusammenbrechenden Vertrauensebenen in ihrem freundschaftlichen, beruflichen und familiären Umfeld wirkt sie angespannt, nie aber lässt sie mit atemdurchdringender Stimme anklingen, dass sie sich und ihr nahestehende Personen in ernster Gefahr wähnt. Zu einer absolut hochklassigen Leistung fehlen hier einige Prozent, die sich in lautstarken Momenten hätten auszahlen können. Weiterhin ist die Sprecherriege einmal mehr ausschließlich mit namhaften Sprechern besetzt. Am Beginn darf Klaus Dittmann empörte und dennoch auch trostspendende Worte von sich geben - eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschnitten scheint, ist er doch sonst unter anderem als Inspector Reynolds bei "Die drei ??? Kids", damit als Freund und Helfer, zu hören. Oliver Böttcher und Gernot Endemann übernehmen die beiden bedeutenderen männlichen Nebenrollen. Ihre Darbietungen überzeugen, wirken wie aus dem Leben geschnitten und werden dem Anspruch der Thrillerreihe gerecht. Den genannten Sprechern stehen ferner Sabine Schmidt-Kirchner zur Seite, die in Relation einen kurzen Auftritt hat, Mia Diekow hingegen trägt ebenfalls einen großen Anteil am Hörspiel und verfällt ebenso wenig in Hysterie wie Kerstin Draeger, gerade bei den weiblichen Sprechern wird viel Potenzial vergeben. Schade eigentlich, denn alle Sprecher konnten in unzähligen Produktionen ihr außergewöhnliches Talent unter Beweis stellen.
Musik und Effekte: Sebastian Pobot von Highscore Music obliegt in der vorliegenden achten Folge von "MindNapping" die Aufgabe, für musikalische Untermalung, Mix und Mastering zu sorgen. Die beklemmenden Töne behält er bei, ab und an durchdringen Pianoklänge die undurchsichtigen Welten, in denen sich die ehemalige Erfolgsautorin Chloe Watson nunmehr befindet, nie aber schlägt die Musik extasische Bahnen, stattdessen bettet sie die Handlung in eine atmosphärische Stimmung zwischen Vorahnung und völliger Unwissenheit. Das Flügelschlagen und Krähen eines Vogels stellt dem gegenüber ein Beispiel für die bedeutenden Effekte dar, der Vogel als wiederkehrendes Motiv bildet eben auch eine Brücke zwischen der Realitäts- und einer Imaginationsebene. Damit ist "Der schwarze Vogel" buchstäblich das Motiv, welches man unmittelbar mit diesem Hörspiel assoziieren wird und anhand dessen man die Geschehnisse einordnen und in ein logisches Konstrukt bringen kann.
Fazit: Ein befriedigend als Resultat für "Der schwarze Vogel" ist gleichbedeutend mit der bislang schwächsten Wertung einer Folge in der "MindNapping"-Reihe. Trotz des in manchen Facetten kritisierten Hörspielskripts ist es wünschenswert, dass weiterhin vielversprechende Autorentalente im kommerziellen Hörspielmarkt ihre Skripte beisteuern können, denn nur so kann auf Dauer Abwechslungsreichtum in der Branche gesichert werden. Den bietet auch diese Hörspielreihe bis hierhin, wenngleich in allen Produktionsbereichen gegenüber den Vorgängerfolgen leichte Abstriche gemacht werden müssen. Nichtsdestotrotz ist auch "Der schwarze Vogel" ansprechende Thrillerunterhaltung, die dieses Mal weniger überraschend, dennoch aber in weiten Teilen nebst jeder Kritik unterhaltsam und ausgeklügelt ist.
Note 3+



