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Der Fluch - Treibjagd in den Abgrund


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Nach den Ereignissen in Port Hardy ist ganz Vancouver Island unter Quarantäne. Die Lösung scheint in Glen Sniders letztem Bestseller zu liegen, doch können Snider, Kate und Mr. Smith ihrer Gefangenschaft entkommen, bevor Port Hardy vernichtet wird? Die Treibjagd in den Abgrund hat begonnen!

Story: Der perfide Tod vieler Tausend Menschen in Vancouver Island hält weiterhin den Bestsellerautor Glen Snider und seine Gefährten auf Trab. Was steckt hinter der seltsamen Verbrennung einer ganzen Stadt? Dies ist die Kernfrage, die aus der ersten Folge von "Der Fluch" übergeblieben ist. Antworten sucht man in der zweiten Folge, "Treibjagd in den Abgrund", die nach längerer Wartezeit erschienen ist, zunächst vergeblich, lediglich Andeutungen gibt Skriptautor Falk T. Puschmann preis. Stattdessen vervielfacht er die offenen Fragen, indem er weiterhin auf das bewährte Muster setzt, die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven fortzuerzählen. Einen allwissenden Erzähler gibt es auch in "Treibjagd in den Abgrund" nicht, folglich ergibt sich der rote Faden erst mit der Zeit und dem Aufeinandertreffen der einzelnen Protagonistengruppen. Allerdings verschieben sich die Anteile deutlich, die mitwirkenden Geheimdienste werden langsam aber sicher ins Zentrum des Geschehens gerückt und ihre offenbar bedeutende Rolle im Gesamtkonstrukt von "Der Fluch" näher beleuchtet. Begrüßen darf man in der zweiten Folge außerdem einige mysteriöse Geschöpfe, die man in ihrer Existenzform aus der realen Welt zwar nicht kennt, die aber zur Standardkost der Fiktion zählen. Nichtsdestotrotz erzeugt Falk T. Puschmann damit eine Geschichte, die mitreißt, schier endlose Neugierde weckt und Lust auf zahlreiche Fortsetzungen weckt. Mit einer Spielzeit von 78 Minuten ist die zweite Folge ungleich länger als die erste, sowohl kürzere als auch längere Spielzeit haben sich bewährt und lassen keinerlei Langeweile aufkommen. Präzise formuliert entsteht durch das Gespräch und die Erzählungen einzelner Charaktere eine derart authentische Welt, das man sich gar nicht mehr wie in einer fiktionalen Umgebung vorkommt, zu realistisch erscheinen die teils panischen, teils aufrichtigen Aktionen der handelnden Protagonisten. "Der Fluch" ist bis dato eine erschreckend glaubwürdige und fesselende Hörspielserie, deren Fortsetzung man sich nur wünschen kann.

Sprecher: In puncto Sprecher hat der Erstling von "Der Fluch" überzeugt. Schafft das auch der Nachfolger? Die Chancen stehen dafür nicht schlecht, sind es doch wieder die nahezu identischen zum Sprecher, die in "Treibjagd in den Abgrund" zum Einsatz kommen. In erster Linie sind Bert Stevens und Sabrina Heuer gefragt, die gemeinsam mit Martin Sabel das Trio bilden, für das man als Zuhörer Sympathien empfinden kann und soll. Martin Sabel als undurchschaubarer Protagonist stellt Stevens und Heuer auf einige Nervenproben, Vertrauen müssen sie ihm entgegenbringen, um gemeinsam den von ihn vorgeschlagenen Weg gehen zu können. Stevens und Heuer ist anzumerken, dass sie durchaus Misstrauen schöpfen, allerdings sind sie wie besessen darin, ihrem Schicksal auf den Grund zu gehen und zu erfahren, was hinter all den erschütternden Vorgängen steckt. Sie stellen somit eindeutig die Identifikationsfiguren für den Rezipienten dar und gehen in diesen Rollen auf. Allgemein bleibt zu den Sprecherleistungen in "Treibjagd in den Abgrund" zu sagen, dass alle Rollen exzellent besetzt sind, hier und da hätte aber gerne die Stimmvielfalt verbessert werden können. Gerade bei Sprüngen zwischen den Gruppen fällt es schwer, sofort zu erkennen, wer nun gerade seine Gedanken zur Aussprache bringt. Ansonsten aber kann man wieder rundum zufrieden mit dem Engagement der mitwirkenden Sprecher sein.

Musik und Effekte: Bedingt durch das ausgezeichnete Niveau der ersten Folge sind die Erwartungen bei "Treibjagd in den Abgrund" hinsichtlich der Musiken und Effekte enorm hoch. Glücklicherweise kann Dennis Schuster, der wieder für die gesamte Untermalung zuständig ist, die Qualität bestätigen und liefert weiterhin moderne, dynamische Beats sowie einwandfreie Geräusche, die unmittelbar erkennen lassen, in welcher Umgebung man sich befindet. Selbst mystische Geschöpfe erhalten ein Antlitz, indem ihre Zerstörungskraft mit angemessenem Lärmpegel ausgedrückt wird. Besonnene Momente in sterilen Krankenhäusern finden aber ebenso ihren Platz im Hörspiel wie Funksprüche und verzerrte Stimmen, die beklemmend und beängstigend erscheinen. Ein Großteil der entstehenden Spannung geht auf das Konto von Dennis Schuster, dessen Einsatz für "Der Fluch" bisher ohne Mäkel gewesen ist.

Fazit: Die Ruhe nach dem Sturm - oder besser vor dem Sturm? Jede Sekunde rechnet man während "Treibjagd in den Abgrund" auf die große inhaltliche Aufklärung, diese wird jedoch spannend verschleppt. Am Werk sind engagierte Sprecher, die Inszenierung bewegt sich weiterhin auf sehr hohem Niveau und trotz der Veröffentlichungspause zwischen "Schatten über Port Hardy" und dieser Folge ist die Spannung in der Serie weiter spürbar. Es kann gar nicht schnell genug weitergehen mit dieser Mystery-Thriller-Serie, die Nervenkitzel ohne Ende bietet. Falk T. Puschmanns Worte, dass es vier weitere Folgen von "Der Fluch" gibt, sofern genügend Exemplare der beiden ersten Hörspiele gekauft werden, bleiben hoffentlich nicht bloß leere Worthülsel. Insgesamt ist "Treibjagd in den Abgrund" marginal schwächer als der Vorgänger, der allerdings schwer zu übertreffen gewesen ist.

Note 2+