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Der Fluch - Schatten über Port Hardy


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Als Bestsellerautor Glen Snider in den kleinen Ort Port Hardy zieht, droht sein größter Bestseller zur grausamen Realität zu werden. Können Glen und Sheriff Kate O'Conner hinter das Geheimnis kommen, bevor ein namenloses Grauen Port Hardy ganz verschlungen hat?

Story: Jung ist das Label Innovative Fiction und schickt mit "Der Fluch" die erste auf mehrere Hörspiele ausgelegte Serie auf den Markt. "Schatten über Port Hardy" lautet der vielversprechende Titel der Debütfolge, getrost kann man sich auf jede Menge Mystery-Thriller einstellen. Innnerhalb kürzester Spielzeit werden die Romane des Autors Glen Snider mit den unheimlichen Vorkommnissen in der amerikanischen Stadt Port Hardy in Verbindung gebracht, Snider selbst scheint also in die Fänge seiner eigenen Fiktion zu geraten. Gemeinsam mit Sheriff Kate O'Conner versucht er im Folgenden, seinem Schicksal zu entrinnen und ruft dabei sogar amerikanische Katastrophentrupps auf den Plan. Stück für Stück lösen sich zum Ende hin die ersten Verstrickungen und Unklarheiten, gleichzeitig werden aber auch zahlreiche Aufhänger für kommende Folgen geschaffen. Dementsprechend bleibt die Serie weiterhin undurchsichtig, ist dabei jedoch in keinem Moment unschlüssig. Phasenweise erinnert der Handlungsablauf an die so erfolgreich startende "Gabriel Burns"-Serie, deren Schicksal es ist, dass den schreibenden Autoren der rote Faden entglitten zu sein scheint. Ein ähnliches Problem bleibt der verheißungsvollen Hörspielserie "Der Fluch" hoffentlich erspart, je nach Käuferzahlen wird es laut Produzent und Autor Falk T. Puschmann weitere Folgen geben. Angelehnt an charakterbasierte amerikanische TV-Serien weiß das düster gehaltene "Schatten über Port Hardy" zu gefallen und weckt Lust auf weitere Episoden. Atmosphärische, abwechslungs- und temporeiche Hörspiele dürften jedem Freund des Mediums Hörspiel eine Menge Freude bereiten.

Sprecher: Bert Stevens und Sabrina Heuer sind die beiden wichtigsten der sogenannten Rädelsführer, wie die Protagonisten und Sprecher in Hörspiel und Booklet genannt werden. Bert Stevens leiht Glen Snider seine Stimme, Sabrina Heuer wiederum haucht Sheriff Kate O'Conner Leben ein und beide können direkt Sympathien für ihre Charaktere wecken. Hier und da, besonders bei gemeinsamen Autofahrten, erinnert ihr Zusammenspiel an das von Kurt und Linda Wallander in der "Wallander"-Serie des Hörverlags. Grundsätzlich scheinen sie auf einer Wellenlänge zu sein, doch ist Bert Stevens Unmut über die Anwesenheit eines Sheriffs augenscheinlich. Nunmehr merkt er im Verlauf des Hörspiels, welche Bedeutung ein geschlossenes Vorgehen haben kann, ist daher mehr und mehr bereit, Kompromisse einzugehen, was für Lockerheit in der angespannten Atmosphäre von Port Hardy sorgt. Martin Sabel ist ferner einer der zentralen Nebencharaktere in dem auffällig großen Sprechercast, ihm gelingen wie allen anderen Sprechern auch exzellente Leistungen, die durch die starke technische Untermalung ungemein positiv herausgehoben werden.

Musik und Effekte: Erstaunlich ist demnach ebenso, mit welch enormer Qualität sich Dennis Schuster auf Seiten der Untermalung einbringen kann. Auf dem Hörspielmarkt ist er noch ein eher unbeschriebenes Blatt, doch schon mit diesem Hörspiel dürfte sich das entscheidend ändern. Ihm gelingt es sogar, die im Abspann vorkommenden Namensnennungen der mitwirkenden Sprecher unterhaltsam in Szene zu setzen, doch der Reihe nach. Anfangs wird der Zuhörer nämlich aufgrund der Musiken und Effekte in kaltes Wasser geworfen. Zunächst ist unklar, mit welchen Charakteren man es zu tun hat. Eines jedoch weiß man von Beginn an: es scheint sich um futuristische Telekommunikationsnetzwerke zu handeln, die Ausgestaltung einer dem Genre des Mystery-Thriller würdigen Welt scheint das Anliegen von Dennis Schuster gewesen zu sein. Die Umsetzung gelingt ihm herausragend, vor allem angesichts des Handlungsverlaufes ist das von entscheidender Bedeutung. "Schatten über Port Hardy" lebt davon, dass der Zuhörer innerhalb kürzester Zeit aufnehmen kann, was alles in den jeweiligen Szenen passiert. Die Masse an Fakten und Effekten, die geradezu auf den Zuhörer einschlagen, ist beeindruckend, geschaffen werden diese auch aufgrund einer berauschenden Untermalung, welche in musikalischer Hinsicht vor allem aus stakkatoartigen elektronischen Beats besteht. Eine mehr als nur harmonische Inszenierung, die die Sprechertakes optimal ergänzt. Mehr geht wohl in inszenierender Hinsicht nicht.

Fazit: Selten schlug der Erstling einer Hörspielserie derart gut ein wie "Schatten über Port Hardy". Von einer vermeintlichen Amateurproduktion ist absolut nichts zu spüren, jegliche Kritik in dieser Hinsicht ist unberechtigt. Im Gegenteil: die erste Folge von "Der Fluch" überzeugt aufgrund einer bestens aufgelegten Sprecherriege, hervorragenden technischen Effekten und einer Handlung, die phasenweise an die besten Zeiten von "Gabriel Burns" erinnert. Düster, bislang schlüssig, abwechslungsreich und überraschend - Falk T. Puschmann legt einen Mystery-Thriller der Extraklasse vor. Etabliert sich mit "Der Fluch" eine vielversprechende Serie auf dem Markt? Hörspiele wie dieses haben in jedem Fall ihre Berechtigung auf dem Markt und rufen nach Fortsetzungen. "Schatten über Port Hardy" ist eine mehr als nur hörenswerte Debütfolge.

Note 1-