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Dorian Hunter - Jagd nach Paris


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Dorian Hunter hat im Haus der Werwölfin Jennifer Jennings in London den vorletzten seiner dämonischen Brüder zur Strecke gebracht. Bleibt nur noch der vampir Frederic de Buer, der rechtzeitig fliehen konnte. Hunter folgt de Buer ohne Absprache mit dem Secret Service zum Bahnhof St. Pancras, wo der Dämon den Eurostar nach Paris nimmt. Hunter springt im letzten Moment auf das Dach des Zuges - und erlebt eine Fahrt ohne Wiederkehr ...

Story: Eine rasante Jagd quer durch den Eurotunnel. Es ist geradezu wie im Film, was den Hörer in "Jagd nach Paris" erwartet. Selten finden diese Jagden auf Zugdächern statt, doch Dorian Hunter kennt in dieser Hinsicht keine Gnade. Zum Glück für den Zuhörer, der dank höchst interessanter Erzählperspektive immer wieder zwischen den Rollen der konkurrierenden Parteien wechselt und so Puzzlestück für Puzzlestück bis zur finalen Begegnung geliefert bekommt. Positiv ist bereits direkt der Einstieg, der mitten im Geschehen ist, auf eine lange Einleitung braucht man also gar nicht zu warten, da sich die Ereignisse im Verlauf der Handlung selbst erklären. Marco Göllners Erzählstil, der sich auch in diesem Skript mehr als deutlich erkennen lässt, erweist sich als ein Garant für ein rasantes, abwechslungsreiches und actionreiches Thrilerhörspiel, das sogar mit einem interessanten Cliffhanger zum Ende seine Krone aufgesetzt bekommt. Helikopterjagden, Schnellzüge und Notbremsungen mitten unter dem Ärmelkanal dürften genug Grund sein, dieser durch und durch atemraubenden "Jagd nach Paris" zu folgen, allzu jung sollten die Hörer angesichts von Gewaltszenen jedoch nicht sein.

Sprecher: Glanzstück dieses wilden Trips bleiben aber die Sprecher. Thomas Schmuckert, Konrad Halver, Frank Gustavus und Oliver Kalkofe dürften jedem Hörspielhörer etwas sagen und was sie abliefern, ist geradezu Wahnsinn. Weitestgehend verfolgt man die Geschehnisse aus der Sicht von Marvin Cohen, gesprochen von Frank Gustavus, der mit stetig steigendem Aggressionspotenzial die Auswüchse von Dorian Hunter beobachtet und als Kommandeur befehligt, den Zug auf jedem möglichem Wege abzubremsen. Seine Darbietung hierbei ist allererster Güteklasse, doch auch Oliver Kalkofe überraschte mich im positiven Sinne. Er spricht einen Franzosen und zunächst fällt gar nicht auf, wer überhaupt hinter dieser Rolle steckt. Er wirkt sehr eigenartig, schafft einen zusätzlichen Spannungsreiz im Hörspiel, ebenso wie Robert Kotulla, der als Frederic de Buer alle weiteren Charaktere auf Trab hält und Ziel der Verfolgungsjagden ist. Frank Gustavus als Marvin Cohen und natürlich auch Thomas Schmuckert als Dorian Hunter sorgen ebenfalls für ein höchst gelungenes Bild auf Seiten der Sprecher, wobei in Nebenrollen noch einige weitere Sprecher für diesen Umstand sorgen. Namentlich sind dies Helmut Winkelmann, Marco Sand, Jörg Reichlin, Hasso Zorn, Annette Gunkel, Simona Pahl, Thomas Nicolai, Costa Meronianakis, Lilli Martha König, Annabella Krieg, Eckart Dux, Autor Marco Göllner persönlich, Dina Kürten, Günter Lach und Sascha Rotermund. Sie alle leisten überzeugende Arbeit und setzen die Regieanweisungen von Marco Göllner gekonnt um.

Musik und Effekte: Joachim Witts Titelmusik bildet nur den Auftakt zu dieser von Anfang bis Ende rasanten "Jagd nach Paris". Zu Beginn noch recht verhalten startend, entwickelt sich die Musik mit länger währender Spielzeit zu einem dynamischen Mix aus Musiken, die wohl noch am ehesten der Industrial-Richtung zuzuordnen wären. In Kombination mit den dauerhaft realistischen Zuggeräuschen, die das Hörspiel in extremer Weise prägen, gelingt es auch von Seiten der Effekte, die unterschiedlichen Erzählperspektiven klar voneinander abzutrennen. Wechsel von außerhalb des Zuges in das Innere werden durch eine Veränderung der Akustik deutlich, sodass es in keinster Weise schwer fällt, der Handlung zu folgen. Anfangs noch ein wenig mehr Musik und man hätte wohl den Zustand der perfekten Untermalung erreicht, aber auch so ist man auf einem mehr als beachtlichen Niveau unterwegs - im wahrsten Sinne des Wortes.

Fazit: Ein sehr ordentliches Skript sowie gute Musiken, gekrönt von starken Sprecherleistungen machen "Jagd nach Paris", die 14. Folge der 'Dorian Hunter'-Serie aus dem Hause Folgenreich, zu einer Episode, die nur knapp an einer sehr guten Wertung vorbeischrammt. Besonders Göllners Variation hinsichtlich der Erzählperspektiven sorgt stets und immer bei seinen Produktionen für eine Spannung und Neugierde besonderer Art, die mit Sicherheit auch in kommenden Folgen noch zu tragen kommen wird. Insofern kann ich - trotz vereinzelter Brutalität, die allerdings in Maßen gehalten wird - für dieses Hörspiel eine Empfehlung aussprechen an all jene, die sich an einem mehr als ereignisreichen Thriller erfreuen können.

Note 2+