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Die drei ??? - House of Horrors


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Wolltest Du immer schon den drei ??? bei ihren Ermittlungen helfen? Jetzt hast Du die Chance dazu! In der Geisterbahn im Freizeitpark geschehen merkwürdige Dinge. Schreckliche Schreie ertönen, die mit Sicherheit nicht zum Programm dazugehören. Justus, Peter und Bob, die drei jungen Detektive aus Rocky Beach und ihr Auftraggeber Tony müssen schnellstmöglich herausfinden, was dahinter steckt. Aber Vorsicht: Eine falsche Entscheidung und sie sind für immer verloren! Es liegt an Dir: Du kannst den drei ??? und Tony den Weg durch das haus der Angst schaffen. Oder auch nicht ...

Story: "House of Horrors" - die zweite 'Top Secret'-Folge von den drei ???, die lange unter Verschluss blieb und nun endlich auch auf CD ihre Veröffentlichung findet. Doch ein normales Hörspiel war Produzentin Heikedine Körting wohl nicht genug. Um diese Folge in ein möglichst besonderes Licht zu rücken, gestaltete André Minninger ein Mitmachhörspiel, wie man es schon von "Hotel Luxury End" kennt, das zu Zeiten des Rechtsstreits zwischen den Folgen 120 und 121 unter dem Serientitel "DiE DR3i" veröffentlicht wurde. Damals war die Umsetzung jedoch noch arg störend. Der Zwang, die CDs dauerhaft wechseln zu müssen, damit die Handlung einen sinnvollen Verlauf nehmen konnte, gibt es dieses Mal glücklicherweise nicht. Hat man einmal die zweite der beiden CDs erreicht, durchlief man somit praktisch die erste Hälfte des Hörspiels und begibt sich auf die Suche nach den finalen Antworten auf die aufgegebenen Rätsel. Von daher darf die Umsetzung des Mitmachhörspiels gut und gerne als gelungen bezeichnet werden. Der Fall an sich ist mittelmäßig, weil auf der einen Seite eine sehr schöne Stimmung geboten wird, auf der anderen Seite die Auflösung aber viel zu kurz kommt. Lediglich die alternativen Enden sind ausführlicher gestaltet, doch diese wiederum sind überspitzt und nur selten wirklich realistisch, denn plötzlich sehen sich die drei Detektive einem Bombenattentäter ausgeliefert - ein Szenario, das Kinderohren, unzweifelhaft ein Kernklientel, nicht unbedingt zugemutet werden sollte. Alles in allem ist der Unterhaltungswert beim Herumstreunern auf dem Jahrmarkt mit Justus, Peter, Bob sowie Nebencharakter Tony, mit dem es die drei ??? hauptsächlich zu tun bekommen, aber hoch und dementsprechend dürfte man mit dieser Specialausarbeitung eine breite Käuferschicht ansprechen und begeistern können.

Sprecher: Interessantes findet sich beim "House of Horrors" vor allem in der Sprecherriege. Santiago Ziesmer spricht "Die bärtige Marylin", also eine weibliche Rolle und so versucht er diese auch herüberzubrinen, was mehr komisch als authentisch wirkt. Natürlich gehören auch solche Charaktere auf besondere Jahrmärkte, erst recht, wenn dem Ganzen im Wesentlichen eine unterhaltende Intention zugrunde liegt, äußerst zweifelhaft jedoch, ob man diese Rolle nicht auch mit einer Frauenstimme hätte besetzen können. Insgesamt gefielen mir zwar die Sprecherleistungen, doch auch Alma Clausen bietet mit einem Kurzauftritt als Protagonistin Margarine nicht wirklich eine Glanzleistung. Die Entscheidungsmöglichkeiten für den Zuhörer trägt Claudia Stocksieker vor, die die Off-Texte sehr nüchtern und ohne besondere Intonation einspricht, eine akzeptable Umsetzung, schließlich ist sie nicht aktiver Teil des Hörspiels. Stefan Kaminski übernimmt die Rolle des bedeutendsten Nebenprotagonisten Tony. Dieser ist ein Junge im Alter von Justus, Peter und Bob und so werden seine Texte auch glaubwürdig von Kaminski eingesprochen. Kaminski ist und bleibt schlicht und einfach einer der besten Sprecher, die derzeit auf dem Markt befindlich sind. Natürlich macht sich das natürliche Alter bei Oliver Rohrbeck, Jens wawrczeck und Andreas Fröhlich allmählich bemerkbar, doch sie sind längst schon nicht mehr aus ihren Rollen wegzudenken und so werden sich viele langjährige Fans darüber freuen, ein weiteres Mal die markanten Stimmen ihrer eigenen Jugend zu hören.

Musik und Effekte: Eines ist sicher: auf Seiten der hörspieltechnischen Bearbeitung stellt das "House of Horrors" als Mitmachhörspiel eine gewaltige Aufgabe dar, denn die Übergänge zwischen den einzelnen Tracks dürfen sich auf der einen Seite nicht ergänzen, damit man als zuhörender Entscheidungsträger die Wahl zwischen den unterschiedlichen Fortläufen der Handlung hat, auf der anderen Seite müssen die Tracks in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt ein möglichst stimmiges Bild ergeben. Erste Auffälligkeit ist, dass in diesem Special wieder Musiken zum Tragen kommen, die vom Studio Körting in Folge der verlorenen Rechte an den Carsten Bohn-Musiken bis zur Folge 125 verwendet wurden. Beginnend mit der früheren Titelmusik von Jan-Friedrich Conrad wird somit schon einmal ein Zeichen gesetzt, dass es sich um einen etwas älteren Fall handelt, den man nun lizensieren und veröffentlichen konnte. Kurz und prägnant werden die Stücke als Zwischenmusiken eingesetzt, nur selten wird auch während der Tracks Musik eingespielt, doch das ist nicht nötig, darauf liegt längst nicht das Augenmerk beim Zuhörer. Das Gebotene in musikalischer Hinsicht genügt und stellt zufrieden. Während der Takes von Off-Stimme Claudia Stocksieker wird keine Untermalung eingespielt, ebenfalls eine gute Wahl, denn so bleibt absolut klar verständlich, mit welchen Tracks die Story fortgeführt werden kann. Eine überaus wichtige Rolle nehmen auch die Effekte ein, nicht zuletzt befindet man sich oftmals in einer Geisterbahn und auf dem Jahrmarktgelände. Auf letzterem sind hin und wieder im Hintergrund Standbesitzer zu hören, die für ihre Buden werben, somit also eine durchaus gelungene, realistische Ausgestaltung der Szenerie.

Fazit: Gegenüber "Hotel Luxury End" bietet EUROPA mit dem "House of Horrors" eine deutliche Steigerung und Verbesserung des Typus Mitmachhörspiel an sich. Zwar stören die vielen Nebenpfade, die unter dem Strich zu keinem runden Ende führen, schon ein wenig, besonders, weil Bombenanschläge und ähnliches nicht wirklich in das Serienbild passen, doch hat man einmal den richtigen Pfad gefunden, so wirkt der Fall "House of Horrors" sehr temporeich, weil er von Ortswechseln geprägt ist. Fans der kurzen, knackigen Hörspielbearbeitungen von H.G. Francis aus den Anfangstagen der Serie werden mit Sicherheit Schwachstellen ausmachen, ansonsten fügt sich das "House of Horrors" als Special jedenfalls gut in die Hörspielserie ein, auch dank der alten Musiken, die man hier wieder zu hören bekommt.

Note 3+