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Die drei ??? - Geisterbucht


Rezension von Alex Sölch

Inhalt: Die drei ??? übernehmen und lösen (hoffentlich!) ihren 150sten Fall! In drei atemberaubenden Folgen sind sie dem Rätsel der Geisterbucht auf der Spur! Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Testament, dass der exzentrische Harry Shreber kurz vor seinem Tod verfasst hat? Führen die verschlüsselten Verse tatsächlich zu Rashuras Schatz? Den drei Detektiven wird nichts anderes übrig bleiben: Sie müssen in Flammendes Wasser hinab tauchen; denn nur in der Tiefe des Meeres kann geklärt werden, warum Der brennende Kristall so viel Unglück über eine große Anzahl Menschen bringen konnte...

Story: Wenn Peter, bekanntermaßen einer der Hauptcharaktere von den drei Fragzeichen, kurz vor Ende des Hörspiels die Runde der handelnden Protagonisten fragt, wie denn nun alles im Fall zusammenhinge und dabei behauptet, er würde allmählich gar nichts mehr von all dem verstehen, dann weiß man, dass es wieder einmal nicht allzu glatt lief bei dem Detektivtrio aus Rocky Beach. Der nunmehr 150. Fall der erfolgreichsten aller Hörspielserien auf dem Markt, "Geisterbucht", weckte hohe Erwartungen. 150 Folgen sind nicht zuletzt eine stolze Summe, die ein Zeichen von auf langer Sicht konstanter Qualität und guter Marketingstrategie sind. Besonders, wenn man bedenkt, dass lediglich von der TKKG-Serie mehr Folgen existieren, kann man wohl ohne Zweifel behaupten, dass so schnell keine Serie eine derart wichtige Rolle auf diesem Sektor einnehmen wird. Würde man dem Hörer mit diesem Jubiläum also etwas ganz Besonderes bieten? Würde man wieder an die bei den Fans so beliebten Klassikerfolgen qualitätsmäßig anknüpfen können? Auf den ersten Blick scheint das zuzutreffen. Rätsel warten auf Justus, Peter und Bob, ebenso finstere und zwielichtige Gestalten, die unmittelbar in ihrer Nähe agieren. Schnell sind sie ihnen auf den Fersen, doch hier beginnt das Problem. Mehr oder weniger durch Zufall erlangen die drei Detektive die für sie notwendigen Hinweise, urplötzlich finden sie versteckte Flugzeugwracks, die ihnen helfen, das Geheimnis um Rashura zu entschlüsseln. Zwar mangelt es der Geschichte nicht am roten Faden, doch der Zuschnitt hin auf einen klar erkennbaren Klimax ist insofern nicht vorhanden, als dass nach einem abgeschlossenen Rätsel direkt ein nächstes auf die drei ??? wartet. Dabei können die einzelnen Höhepunkte und Lösungen keine große Spannung beim Zuhörer wecken wie man es sich erhofft von "Geisterbucht". Zumindest kann letzten Endes dann doch der längst zur Routine gewordene abschließende Monolog von Justus Jonas zur Klärung der Umstände beitragen und schafft ein zumindest noch befriedigendes Endresultat aus Handlungssicht. Das gute bis sehr gute Niveau der Vorgängerfolge kann man somit nicht ganz halten.

Sprecher: Über die vielen Jahre und Jahrzehnte hinweg haben sich bei "Die drei ???" die wohl markantesten Stimmen der deutschsprachigen Audioszene zusammengefunden. Zu den Jubiläumsfolgen hingegen gesellten sich aber auch immer wieder Prominente hinzu, die man nicht hauptsächlich dem Synchronmarkt zuordnen würde. Dieses Mal engagierte Heikedine Körting eine Reihe von Comedians und somit beispielsweise Bernhard Hoecker, Oliver Kalkofe und Olli Dittrich. Auch Sky du Mont kommt wieder einmal zum Einsatz, was nur sehr selten vorkommt. Gleichzeitig nahm man aber auch großartige Sprecher wie Wolfgang Condrus und Anna Thalbach auf, was keineswegs bedeuten soll, dass die Leistungen der vorher genannten Sprecher niveaulos sei. Im Gegenteil, auch sie fügen sich sehr gut in das Gesamtgebilde ein. Bei einer Spielzeit von über 3 Stunden ist es kaum verwundernswert, dass man es gleich mit einer Riege von mehr als 20 Sprechern zu tun bekommt. Dass hierbei nahezu alles glatt lief, ist klar ein Verdienst von Heikedine Körting, der Regisseurin der Erfolgsserie.

Musik und Effekte: Positiv wirken sich auch die Effekte und die musikalische Untermalung auf das Gesamtprodukt "Geisterbucht" aus. Hinlänglich bekannt dürften die Titelmelodie und einige weitere Sequenzen sein, die regelmäßig zu Beginn und zwischen den einzelnen Szenen das Hörspiel ausschmücken, doch mehr und mehr bekommt man das Gefühl, dass die Musiken eben nicht nur aus einem Archiv gekramt werden, sondern wirklich passend und individuell in den einzelnen Hörspielen eingesetzt werden. Auf diesem Wege tragen sowohl Musiken als auch Effekte dazu bei, dass die auf dem Cover dschungelhaftig erscheinenden Welten ein wenig lebendiger werden, die Aktionen insgesamt schlichtweg authentischer wirken. Technisch ist die Produktion jedenfalls absolut solide und das in allen Belangen, nachdem man vor noch gar nicht allzu langer Zeit mit dem Problem von soundtechnisch suboptimalen Takes zu kämpfen hatte. Doch längst sind auch diese ausgemerzt und ad acta gelegt.

Fazit: "Geisterbucht" fällt unter dem Strich schlicht und einfach zu extravagant aus. Ein wenig Überspitzung darf in der Handlung gerne vorkommen, doch eine derartige Reihe an kaum vorstellbaren Zuständen ist alles in allem nur begrenzt tragbar. Selbstverständlich dient eine solche Jubiläumsfolge, der man nicht umsonst 3 CDs Spielzeit einräumt, auch dazu, etwas Besonderes zu liefern, was man angesichts der mitwirkenden bekannten Sprecher den treuen Fans auch liefert. Der Fall an sich jedoch zählt eher zum klassischen Mittelmaß der Serie, das sich vor allem kurz vor und nach Serieneinstellung aufgrund des Rechtsstreits eingestellt hat. So wahrlich Spannung mag trotz der guten Untermalung nicht aufkommen, weshalb es letzten Endes auch nur zu einer befriedigen Wertung reicht.

Note 3